Am 3. Dezember 1800 brach das österreichische Heer in den Wäldern bei Hohenlinden. Ein Waffenstillstand folgte 22 Tage später, der Friede 68 Tage später. Dieser Tag beendete den Zweiten Koalitionskrieg. Erinnert wird jedoch ein anderer Sieg, sechs Monate zuvor in Oberitalien zusammengeklaubt. Die Größe eines Ergebnisses und die Größe seiner Erinnerung stimmen nicht überein. Über den Unterschied entscheidet, wer den Bericht führt.
1. Worum tatsächlich gespielt wurde
Während 1799 alles verloren ging, was im ersten Italienfeldzug gewonnen worden war, befand sich der Mann, der es gewonnen hatte, in Ägypten. Suworows verbündete Heere nahmen nacheinander Magnano, Cassano, die Trebbia und Novi und löschten nahezu den gesamten Gewinn von 1796–97 aus[5]. Die Franzosen wurden auf Genua und die Küstenberge zurückgedrängt.
Für den Mann, der im Brumaire-Staatsstreich vom November 1799 Erster Konsul wurde, ging es im Feldzug von 1800 nicht um Boden. Eine durch Staatsstreich erlangte Stellung lässt sich nur durch Sieg beglaubigen — und nicht durch den Sieg eines anderen. Diese eine Anforderung verbiegt den ganzen Krieg.
Gespielt wurde um zweierlei. Österreich zum Frieden zu zwingen, und als wessen Leistung dieser Friede verbucht würde. Das Erste gelang. Das Zweite wurde anderswo entschieden als auf dem Schlachtfeld.
2. Zwei Jahre, und der Gewinn war dahin
Der Friede von Campo Formio im Oktober 1797 machte Oberitalien zur französischen Einflusszone. Ein einziges Jahr machte das zunichte. Bemerkenswert ist nicht, wie schnell es zusammenbrach, sondern dass es überhaupt zusammenbrach.
Wäre der Gewinn institutionell gewesen, hätte er ohne den Mann gehalten werden können, der ihn erzielt hatte. Er war es nicht. Er gehörte einer Person, nicht einem System — eine Anfälligkeit, die das spätere Kaiserreich nie abschüttelte.
Und dieselbe Anfälligkeit erzwingt die nächste Entscheidung. Ein Regime, das auf dem Ansehen eines Mannes ruht, muss seinem Namen fortwährend neue Siege hinzufügen. Dass der Feldzug von 1800 mit etwas so Riskantem wie einer Alpenüberquerung begann, ist eine Folge davon: eine sichere Art zu siegen hätte nicht genügt.
3. Marengo: ein vom Boden aufgehobener Sieg
Als Führungsleistung betrachtet, war das, was am 14. Juni 1800 bei Marengo geschah, eine Kette von Fehlern. Die Stellung der feindlichen Hauptmacht wurde falsch gelesen, das Heer war zerstreut, und es wurde frontal zurückgedrängt. Melas verließ das Feld in der Überzeugung, gesiegt zu haben, und soll die Siegesmeldung nach Wien geschickt haben.
Insgesamt im Gefecht
AT etwa 1,1×
Auf dem Feld während der Krise (Vormittag bis Nachmittag)
AT etwa 2×
Was die Linie rettete, war Desaix, der auf den Geschützdonner hin aus eigenem Entschluss umkehrte, und Kellermanns Reiterei, die hinter ihm in die Flanke stieß[3]. Der Sieg dieses Tages kam aus dem Urteil von Untergebenen, nicht aus dem Plan des Befehlshabers. Desaix fiel im Gegenangriff.
Die Konvention von Alessandria am folgenden Tag zwang die Österreicher, Oberitalien zu räumen. Ein großes Ergebnis. Aber der Krieg war nicht vorbei: Wien schloss keinen Frieden, und die Kämpfe liefen weitere sechs Monate.
4. Hohenlinden: die Schlacht, die den Krieg beendete
Am 3. Dezember standen im Schnee und Wald bei Hohenlinden Moreaus Rheinarmee mit rund 53.600 Mann etwa 60.261 Österreichern und Bayern gegenüber. Er war unterlegen[1]. Das Ergebnis war gleichwohl einseitig: französische Tote und Verwundete etwa 2.500–3.000, dagegen verbündete Tote und Verwundete rund 13.550–15.500, dazu 8.950–10.000 Gefangene und 76 verlorene Geschütze[1].
Rechnet man die Gefangenen mit, ergibt das ein Verlustverhältnis von etwa acht zu eins (die französische Zahl umfasst nur Tote und Verwundete) — steiler als die rund dreieinhalb zu eins von Austerlitz. Der Weg nach Wien öffnete sich, am 25. Dezember wurde in Steyr ein Waffenstillstand geschlossen, und am 9. Februar 1801 folgte der Friede von Lunéville[2].
Marengo, 14. Juni 1800
-
Befehlshaber
Napoleon (Erster Konsul, 30) -
Division
Desaix (kehrte ungebeten um, 31; gefallen) -
Schwere Reiterei
Kellermann (der Flankenangriff, 29) -
Österreichisches Kommando
Melas (verließ das Feld im Glauben zu siegen, 71)
Hohenlinden, 3. Dezember 1800
-
Französisches Kommando
Moreau (Rheinarmee, 37)
-
Division
Ney (hielt die Mitte, 31) -
Division
Grouchy (linker Flügel, 34) -
Österreichisches Kommando
Erzherzog Johann (drei Monate im Amt, 18)
Ein Achtzehnjähriger führt ein Heer
Das österreichische Heer führte Erzherzog Johann, im September 1800 im Alter von achtzehn Jahren ernannt. Er soll den Posten nur ungern übernommen haben[4]. Mehrere Kolonnen durch Wald zu bewegen, ist auch für einen erfahrenen Befehlshaber schwierig. Die Niederlage der Unerfahrenheit eines jungen Mannes anzulasten, ist grob; die Entscheidung, ihn dorthin zu stellen, ist es nicht. Wer auch immer befehligte — Österreich überließ in diesem Krieg die Qualität der Führung immer wieder dem Zufall.
5. Wie das Verdienst zugeteilt wurde
Der amtliche Bericht über Marengo war nicht im ersten Anlauf fertig. Eine Fassung entstand 1803, wurde 1805 überarbeitet und in späteren Jahren erneut redigiert. Mit jeder Fassung schrumpfte der Anteil des Zufalls und wuchs der Grad der Planung[6]. Das Umschreiben selbst behandelt der Marengo-Artikel; hier zählt, dass das Umschreiben nicht bei einem Kampftag haltmachte.
Hohenlinden beendete den Krieg. Was als „der Sieg von 1800“ in Umlauf kam, war Marengo. Eine Macht, die durch den Sieg eines anderen beglaubigt wird, ist überhaupt nicht beglaubigt. Für ein an eine Person gebundenes Regime war die Zuteilung des Verdienstes keine Verzierung, sondern strukturelle Notwendigkeit.
Die Zuteilung erreichte auch die Menschen. Moreau wurde 1804 in die Cadoudal-Affäre verwickelt, angeklagt, verurteilt, dann begnadigt und in die Vereinigten Staaten verbannt. 1813 traf ihn bei Dresden eine Kanonenkugel — im Lager der Verbündeten[7]. Der General, der den Krieg beendete, starb dreizehn Jahre später auf der anderen Seite.
6. Vier Dinge, die den Krieg entschieden
Der Gewinn hing an einer Person
Achtzehn Monate Abwesenheit machten fast alles zunichte, was 1796–97 gewonnen war[5]. Ein Ergebnis, das nicht in eine Einrichtung überführt wurde, geht mit dem Mann.
Ein sicherer Sieg genügte nicht
Wo Sieg die einzige Grundlage der Macht ist, ist eine verlässliche, aber unscheinbare Operation unbrauchbar. Die Höhe des Einsatzes bestimmte das politische Bedürfnis, nicht die militärische Lage — deshalb wurde Marengo so gefährlich.
Untergebene entschieden es
Ohne Desaix' Umkehr und Kellermanns Angriff ist der 14. Juni eine Niederlage[3]. Ein Heer, in dem der Mann vor Ort entscheiden darf, fängt die Fehler seines Führers auf — eine Tugend, die im Bericht unsichtbar bleibt.
7. Wären die Bedingungen andere gewesen
Was folgt, ist ein Gedankenexperiment auf Quellengrundlage. Die Ergebnisse sind nicht beweisbar; es geht darum, die Abhängigkeiten sichtbar zu machen.
| Geänderte Bedingung | Unmittelbare Wirkung | Wirkung auf den Krieg |
|---|---|---|
| A: Desaix marschiert nicht auf den Geschützdonner zu | Der 14. Juni endet als Niederlage | Ein Konsul, sieben Monate nach seinem Staatsstreich, verliert die Grundlage seiner Stellung. Wahrscheinlich zerbricht das Regime, bevor der Krieg entschieden ist |
| B: Desaix überlebt | Ein Anwärter auf das Verdienst bleibt | Weniger Raum zum Umschreiben. Doch wie Moreau zeigt, wurde ein rivalisierender General mit anderen Mitteln erledigt |
| C: Hohenlinden endet unentschieden | Der Weg nach Wien bleibt versperrt | Lunéville verzögert sich — was nur umso deutlicher macht, dass Marengo allein keinen Frieden erzwingen konnte |
Nur A erschüttert das Regime selbst. Die Macht von 1800 ruhte auf einem einzigen Nachmittag.
8. Was sich daraus heute ergibt
(1) Wird ein Ergebnis nicht von Personen in ein System überführt, fällt es zurück, sobald die Person geht. Genau das war 1799. Wenn eine fähige Person weiterzieht und mit ihr die Abläufe und die Zahlen auseinanderfallen, ist das kein Beleg dafür, wie gut sie war — es ist ein Beleg für einen Konstruktionsfehler. Je persönlicher der Erfolg, desto dringender gehört er einem Mechanismus übergeben und nicht einem Nachfolger.
(2) Verdienst wird nach Bedarf verteilt, nicht nach Beitrag. Wer die entscheidende Arbeit tat, verblasst im Bericht, und eine bequemere Gestalt wird zur Hauptperson. Das ist weniger eine Frage der Bosheit als eine Frage, wer den Stift hält. Deshalb ist es billiger, die Form des Berichts im Voraus festzulegen — festzuhalten, wer was tut, bevor das Ergebnis feststeht — als hinterher Gerechtigkeit herstellen zu wollen.
9. Schluss
Der Zweite Koalitionskrieg wird gewöhnlich als Rückgewinnung verlorenen Bodens erzählt. Strukturell zeigt er etwas anderes. Ein Regime, das auf einer Person ruht, muss nicht nur weiter siegen, es muss die Siege auch fortwährend unter seinem eigenen Namen einsammeln.
Der dritte Dezember im Wald brachte einen Vertrag hervor. Der vierzehnte Juni in Oberitalien brachte einen Mythos hervor. Was das Regime brauchte, war nicht der Vertrag.
Davor: der erste Italienfeldzug. Danach kommt bei Austerlitz ein Sieg, der gar nicht umgeschrieben werden muss.
Quellen
- Wikipedia contributors, Battle of Hohenlinden.
- Encyclopædia Britannica, Battle of Hohenlinden.
- Encyclopædia Britannica, Battle of Marengo.
- Wikipedia contributors, Archduke John of Austria.
- Wikipedia contributors, Suvorov's Italian campaign.
- The Napoleon Series, Marengo 1800: A Lost Account.
- Fondation Napoléon, Moreau, Jean-Victor.
- David G. Chandler, The Campaigns of Napoleon, Macmillan, 1966.